Ergonomie in der Küche: So wird Kochen zum Genuss für den Rücken
Wenn ich mir eine Küche einrichte, achte ich nicht nur auf die schönen Fronten oder die Arbeitsplatte. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die wahre Kunst in der Ergonomie liegt. Nichts ist frustrierender, als nach einem langen Kochabend mit schmerzendem Kreuz oder verspannten Schultern aufzuwachen. Deshalb fange ich immer bei den Arbeitshöhen an. Die ideale Höhe für die Arbeitsfläche liegt meist zwischen 85 und 95 Zentimetern, aber das ist keine starre Regel. Ich rate meinen Kunden oft, die Ellenbogen im 90-Grad-Winkel zu beugen und dann die Unterarmhöhe zu messen. Ein Unterschied von nur fünf Zentimetern kann beim Schneiden von Gemüse oder beim Kneten von Teig einen gewaltigen Unterschied machen. Auch die Oberschränke sollten nicht zu hoch montiert sein, sonst wird das tägliche Greifen nach Gewürzen oder Tellern zur Turnübung für die Wirbelsäule.
Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird, ist der Boden. In einer Küche steht man stundenlang auf den Beinen, und ein harter Fliesenboden kann die Gelenke stark belasten. Ich empfehle daher unbedingt eine weiche, rutschfeste Matte vor den wichtigsten Arbeitsbereichen, also vor dem Herd und der Spüle. Das Material sollte leicht zu reinigen sein, aber gleichzeitig genug Dämpfung bieten. Ein Kollege von mir schwört auf eine 16 cm dicke Gummimatte, die wie ein weicher Teppich wirkt, aber das ist für viele vielleicht zu massiv. Persönlich mag ich Modelle aus geschlossenzelligem Schaumstoff, die kein Wasser aufnehmen und sich bei Bedarf einfach abwischen lassen. So entlastet man die Bandscheiben und die Faszien, ohne dass es nach Arbeit aussieht.
Das Herzstück jeder Küche ist der Arbeitsablauf. Ich plane immer die drei Zonen Kühlen, Spülen und Kochen in einer logischen Dreiecksanordnung. Wenn die Wege zwischen Kühlschrank, Spüle und Herd zu lang sind, entstehen unnötige Drehbewegungen und Streckungen. Besonders in kleinen Küchen, wo der Platz knapp ist, kann das schnell zu . Ich habe schon oft erlebt, dass Kunden ihren Müll unter der Spüle verstauen, aber dann jedes Mal tief in die Knie gehen müssen. Besser ist ein Auszugssystem auf Schienen, das den Eimer auf Hüfthöhe bringt. Auch die Position des Geschirrspülers sollte durchdacht sein. Wenn er zu tief eingebaut ist, beugt man sich beim Ein- und Ausräumen ständig nach unten, was den unteren Rücken massiv belastet.
Die Wahl des Kochfelds und des Backofens ist ebenfalls entscheidend für die Ergonomie. Ein Induktionskochfeld mit einer versenkbaren Dunstabzugshaube ist nicht nur stylish, sondern spart auch den lästigen Griff nach oben, um die Haube einzuschalten. Beim Backofen bevorzuge ich Modelle mit einer ausziehbaren Teleskopschiene. So muss ich schwere Bräter nicht über die heiße Tür heben, sondern kann sie direkt auf Schienenhöhe entnehmen. Das ist besonders wichtig, wenn man wie ich oft große Bleche mit Brot oder Aufläufen aus dem Ofen holt. Ein Backofen auf Augenhöhe, also etwa 30 bis 40 Zentimeter über der Arbeitsplatte, wäre ideal, aber in den meisten Mietwohnungen ist das nicht umsetzbar. Dann hilft nur ein stabiler Hocker oder eine kleine Tritthilfe.
Auch die Stauraumplanung gehört zur Ergonomie. Schwere Töpfe und Pfannen sollten in einem tiefen Auszug auf Schienen aufbewahrt werden, nicht in einem Oberschrank, den man über Kopf erreichen muss. Das ständige Heben der Arme über Schulterhöhe strapaziert die Schultergelenke und die Nackenmuskulatur. Ich arbeite gerne mit einem System von Schubladen und Schränken, die sich mit einem leichten Fingerdruck öffnen lassen. So vermeidet man unnötige Drehbewegungen des Handgelenks. Für die täglichen Utensilien wie Messer, Schneidebretter und Kochlöffel habe ich einen offenen Halter auf der Arbeitsplatte. Das spart das Suchen in überfüllten Schubladen und beugt einer krummen Haltung beim Bücken vor.
Ein ganz praktischer Tipp aus meiner Erfahrung: Die Beleuchtung. Eine gut ausgeleuchtete Arbeitsfläche reduziert nicht nur die Augenbelastung, sondern auch die Verspannung im Nacken. Wenn ich beim Schneiden keine Schatten werfe, muss ich meinen Kopf nicht schief halten. Ich setze auf eine Mischung aus Deckenleuchten und direktem Licht unter den Oberschränken, am besten mit LED-Streifen in warmweißem Ton. Auch eine dimmbare Spots über der Spüle hilft, denn beim Abwaschen schaut man oft nach unten. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der den Komfort enorm steigert. Und wer nachts noch ein Glas Wasser holt, sollte nicht im Dunkeln tappen müssen, auch das ist eine Frage der Sicherheit und der ergonomischen Bewegung.
Zum Schluss noch ein Gedanke zur Sitzgelegenheit in der Küche. Viele unterschätzen, wie oft man sich kurz hinsetzt, um einen Kaffee zu trinken oder eine Mahlzeit vorzubereiten. Ein einfacher Küchenstuhl mit guter Polsterung kann hier Wunder wirken. Ich rate aber von zu weichen Sitzmöbeln ab, denn die lassen einen schnell einsinken. Besser ist ein Stuhl mit einer festen Sitzfläche und einer leichten Lordosenstütze im Rücken. Für kleine Küchen eignet sich auch eine schmale Klappbank, die man bei Bedarf auszieht. So bleibt der Rücken entspannt, und die Küche wird zum Ort, an dem man gerne verweilt, ohne dass der Körper leidet. Die Mühe in die richtige Planung lohnt sich jeden Tag aufs Neue.